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(Originaltext von Anja Nopper © 2001)

Wie sich das Leben so entwickelt, ergab sich, dass ich einmal mit dem Flamencotanz angefangen, ihm mehr und mehr verfiel. Der Gedanke 9 Monate oder vielleicht ein ganzes Jahr dem Flamenco zu widmen wurde immer gewinnender.

So befand ich mich also einen strahlenden Oktober vergangenen Jahres am Nachmittag mitten in Sevilla, um mich in der Schule Fundación Cristina Heeren für einen 9 monatigen Intensiv Flamencotanzkurs einzuschreiben. Am ersten Montag im Oktober 2000 sollte es los gehen. Ich war ein paar Tage vorher angereisst, um mich um eine Wohnung zu kümmern und mit der Umgebung vertraut zu machen. Die ersten paar Tage hatte ich mich in einem Hostal im "Barrio Santa Cruz" (englisch / deutsch) einquartiert - diese Bleibe hatte ich über das Internet gefunden. Es stellte sich als ein gutes Arrangement heraus, da die Stadt im Oktober immer noch voller Touristen ist, welche von belegtem Hotel zu belegtem Hotel wandern.

Ursprünglich, bevor ich die Fundación per Internet gefunden hatte, wollte ich mich einfach in ein paar Schulen einschreiben, so dass ich jeden Tag die Möglichkeit hätte zu tanzen. Statt dessen habe ich jedoch die Fundación gefunden, welche sich der Pflege und Verbreitung des Flamencos verschrieben hat. Sie bietet entsprechend 9-monatige, in 3 Trimester aufgeteilte Tanz-, Gitarren-, und Gesangskurse an. Leider kann man sich pro Jahr nur für eine Disziplin einschreiben. Aber dadurch, dass die Schüler alle unter einem Dach untergebracht sind, bekommt man als Tänzer auch von der Gitarre und dem Gesang viel mit ... entweder, weil sie im Patio sitzen und üben, oder weil man als schweigender Zuhörer am Gesangsunterricht von Naranjito de Triana teilnehmen kann ... wenn man selbst nicht gerade Unterricht hat.

Die Fundación möchte einem die klassischen Strukturen des Flamencos nahebringen. So haben wir dann eine traditionellen Alegrías de Cádiz und Soléas por Bulería gelernt, Guajira, Tangos und Bulerías. Die Alegrías de Cádiz wurde dann im letzten Trimester noch mal intensiv aufgearbeitet, diesmal mit den Gitarristen und Sängern des gleichen Niveaus ... um ein bisschen schlauer zu werden, wie es die Künstler schaffen, auf der Bühne so brillant zu "improvisieren" ... es stecken doch recht viele klare Strukturen in den Tänzen, die man auch sieht und hört, wenn man erstmals weiss, das es sie gibt. Es ist wie eine Sprache die man lernt, um sich als Tänzer mit dem Gitarrist und Sänger zu verständigen.

Die Fundación ist offen für "Aficionados" wie ich es bin und für professionelle Künstler. So bietet sie dementsprechenend ein 3-jähriges Programm an. Dadurch dass man jedes Trimester neue Lehrer bekommt, werden auch verschiedenen Stilrichtungen vermittelt - von dem offenen und klassischen Stil der schlanken grossen Yolanda, zum Tanz von Carmen Ledesma mit ihren starken Zigeunerwurzeln, hin zur Meisterin der Bata de Cola Milagros Menjibar.

So fing dann am Montagvormittag die Arbeit an. 2 Stunden Ballett für die Anfängergruppe, danach 2 Stunden Flamenco - Technik, Brazeo, Vueltas, Quebradas und natürlich eine tolle Choreografie. Nachmittags, welcher wohlgemerkt erst so gegen 17 Uhr anfängt und so gegen 20 oder 21 Uhr in den Abend übergeht, haben wir dann verschiedenen theoretische Kurse gehabt. Flamencogeschichte, hauptsächlich via der Entwicklung des Flamencogesangs und später auch des Tanzes; Palmas mit Manolo Soler - eine atemberaubende Koryphäe der Rhythmen.

Aber zurück zu den Notwendigkeiten des Lebens, die es einem erlauben, die schönen Seiten des Lebens in Sevilla zu geniessen.

Finanzierung und Wohnung:
Sevilla hat eine Wohnungsmarktzeitschrift, El Cambalache, welche 2 Mal wöchentlich erscheint. Über diese stürzte ich mich dann auch gleich am ersten Tag mit viel Eifer, auf einer Plaza sitzend, Tinto de Verano und Tortilla geniessend. Zu meiner Freude fand ich auch gleich viele gut klingende Angebote möblierter Wohnungen und Studios innerhalb meines Budget und in Laufnähe zur Fundación. Das tolle ist, das für die Sevillaner der Begriff einer möblierte Wohnung eine Waschmaschine beinhaltet. Es bedurfte jedoch nicht vieler Anrufe, um meine Liste schnell schrumpfen zu sehen. Die meisten Offerten waren schon lange vergeben, oder mussten für ein Minimum von einem Jahr gemietet werden, oder wurden nur über eine Agentur vermietet ... Tja, hier also meine Bekanntschaft mit den Agenturen in Sevilla - welche sich wohl gut für den Sevillaner und den Geschäftsmann eignen, aber nicht für eine budgetbewusste Flamencotänzerin. Die meisten verlangen Vorauskasse und geben einem dann eine Liste in die Hand, die irgendwie bei keinem den ich kennengelernt habe in Sevilla zu einer Wohnung geführt hat. Am Besten war es, die Angebote von Privatanbietern zu verfolgen, die Telefonnummern anzurufen, die man auf den Schildern "Alquiler" welche an den Balkons und Fenstern hängen und die Angebote die man an der Universität und in den Internetcafés sah zu verfolgen. Die Fundación war auch ein bisschen hilfreich - vorallem um WGs in Wohnungen von Schülern aus den fortgeschrittenen Kursen zu vermitteln

Im Internet gibt es auch einen WG Vermittlungservice - www.roomates-sevilla.com. Ich habe ihn nicht ausprobiert, aber die Webpage finde ich vertrauenerweckend. Wenn man bereit ist, in einer WG zu wohnen, kann man schon ab ESP 20,000 (ca. DM 170) etwas sauberes und ordentliches finden ... etwas ruhiges ist kaum im Zentrum von Sevilla zu finden. Für ein eigenes Appartement muss man schon mit min. ESP 60,000 rechnen. Dazu kommen noch die Nebenkosten die man genauestens verhandeln sollte - Communidad, Electricidad, Agua, Fianza (1- oder 2-monatige Miete die im voraus in einem separatem Konto hinterlegt werden müssen und einem am Ende der Mietzeit nach eventuellem Abzug für Schäden wieder zurück gegeben wird). Viele Wohnungen funktionieren auch noch mit Gas ... da muss man dann heraus finden, an welchen Tagen die offenen Lastwagen mit den orangfarbenen mit Gas gefüllten Bombonas vorbei kommen. Das kann etwas mühselig sein. Und ... die Wohnung sind für den Sommer mit bis zu 50° Temperaturen gedacht mit den Steinfussböden und den undichten Fenstern. Im Winter wird es doch recht kalt, aber dem kann man mit einer guten Bedecke und warmen Socken entgegenhalten.

Finanzen:
Ich bin in den 9 Monaten - alleine wohnend, inklusive Flüge, Miete und Schulgeld, viele Flamencoshows besuchend, aber selten im Restaurant essend, mit CHF 10,000 gut über die Runden gekommen. Es gibt viele Märkte auf denen man frische Produkte zu phantastischen Preisen bekommt und die Mieten sind nicht teuer. Die Restaurants fand ich teuer, aber dafür sind die Flamencoshows und das Kino super günstig. Sich In Sevilla das Geld zum Leben zu verdienen ist machbar, aber sehr schwierig. Die guten Jobs sind schwer zu finden, die flexiblen Jobs sind in der Gastwirtschaft - aber die zahlt einen lausigen Lohn für viele Stunden Arbeit.

Spanisch:
Es ist leichter, wenn man die Sprache schon rudimentär beherrscht. Aber es geht auch ohne, wie mir die vielen Ausländer in der Fundación, die aus aller Herren Länder kamen, und kein Wort Spanisch sprachen, gezeigt haben. Die meisten haben sich jedoch dann bald in einem Sprachkurs eingeschrieben. Diejenigen mit ein bisschen mehr Geld bei Clic, die anderen im Instituto San Fernando, welches um vieles günstiger ist und genauso gute Lehrer und kleine Klassen hat. Zur Verfügung stehen auch viele Sevillaner die gerne einen Sprachaustausch machen. Das Internet Cafe Cyber Alcazar in der Calle San Fernando gegenüber der Antigua Fabrica de Tabacos, vermittelt diesen Sprachaustausch.

Wie eine Tanzschule finden?:
Wenn man nun nicht gerade für 9 Monate kommen möchte oder kann, kann man in der Fundación sich auch per Trimester einschreiben. Man kann ohne Probleme einfach nur das erste Trimester oder zweite Trimester machen. Das dritte Trimester empfehle ich jedoch nicht - nicht nur da es wesentlich kürzer ist als die ersten beiden. Die Zeit von April bis Juni ist voller Feiertagen, mit der heiligen Osterwoche angefangen, sondern auch, weil in diesem Trimester vorallem die bereits erlernten Choreographien aufgearbeitet werden, so das man vom Schritteausführen zum Tanzen kommt und gut für die Vorführungen am Ende des Jahres vorbereitet ist.

Wenn man lieber Stunden in anderen Schule nehmen möchte, welches eventuell auch ein bisschen günstiger sein kann, und dem eigenen Stil mehr entspricht, dann findet man eine grosse Auswahl in den Gelben Seiten und mehr und mehr im Internet. Mit einem Stadtplan ausgerüstet empfehle ich das abklappern all dieser Schulen, und das teilnehmen an kostenlosen Probestunden, bis man seine Schule oder Schulen gefunden hat. Das ist etwas mühselig - aber wohl im Moment der einzige Weg.

Wann geht man am Besten nach Sevilla?:
Juli, August und September sind die heissesten Monate - und die allgemeinen Ferienmonate. Oktober ist ein guter Monat zum Anfangen, da fangen alle "neu"an.

Telephonieren:
Die meisten legen sich ein Natel/Móvil zu, da es sehr teuer ist, eine Festleitung zu bekommen - es sei denn man hat Glück und es besteht schon eine Leitung und man kennt auch noch die Nummer ... das ist jedoch recht selten.

Wo essen und übernachten in den ersten Tagen?:
Eine unscheinbare Bar gegenüber der Sprachschule Clic in der calle Albaoreda hat einen wirklich guten Mittagstisch zu guten Preisen. Der Pescaito Frito in der calle Pastor y Landero 21 ist auch gut. Der Pescaito wird von einem Opernsänger geführt. Eine Unterkunft sollte man sich schon über das Internet besorgen bei www.sol.com oder auch im Hostal El Arenal (c/ Pastor y Landero 21, Tel 954 22 61 77).

Frühstück:
In der Plaza Gavidia gibt es eine tolle Auswahl. Mein Lieblingsplatz ist jedoch die Bar Levies in der calle Levies - richtig lecker schmecken die Tostadas con Tomate y Aceite de Oliva, un cafe con leche y un zumo de naranja natural.

Wenn man Lust hat auf ein bisschen guten arabischen Tee und Ambiente, empfehle ich sehr die Teteria in der Calle Valle 24.

Wo guten Flamenco sehen und hören?:
Zu "Pasión Flamenco's" Empfehlungen im letzten Newsletter, möchte ich noch die Peña Torres de Macarena in der calle Torrigiano hinzufügen. Die Peña macht kaum Werbung, man muss also die Augen gut aufhalten. Meistens sind die Aufführungen Freitags oder Samstags um 22:30 - und diese fangen auch tatsächlich pünktlich an, aber sie sind nicht regelmässig.

Ich hoffe, mit diesem Bericht ein paar nützliche Dinge mitgeteilt zu haben für all jene die mit der Idee eines Spanienaufenthaltes spielen. Gerne helfe ich mit Ideen und Ratschlägen weiter. Wendet euch einfach an mich: anja_nopper@hotmail.com.

(Der Artikel ist nachträglich auch in anda Nr. 42 Juni/Juli 2002 veröffentlicht worden)

anda.de

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